Donnerstag, 5. Oktober 2017

Gewissen

Die gesellschaftlichen "Werte und Normen", der veraltete Ausdruck dafür ist "Moral", ist Kultur (Ethnie) und Zeit (Epoche) abhängig. Die Moral muss dauernd neu definiert und modifiziert werden. Sie ist nicht statisch.
Unser individuelles Gewissen wiederum hat sich über lange Zeit basierend auf der gelebten Moral entwickelt.
Das Gewissen ist das, was man weiss. Das was sagt, was richtig oder falsch, wertvoll oder wertlos ist. Es ist physisch in unsere Seelen gemeisselt, kann aber glücklicherweise auch weiter entwickelt werden.
Eine der wesentlichsten Aufgaben des Menschen besteht darin, zu erkennen, dass die Moral nicht nur bezüglich der gelebten Kultur und Epoche angemessen sein muss, sondern bezüglich allen Menschen. Z.B. ist die Definition von Menschenrechten und ähnlichem ein Schritt in diese Richtung.
Wer Zugang zur geistigen Welt hat, alle haben das ein Stück weit, der sieht, dass die Moral auch den geistigen Wesenheiten und Gesetzen gerecht werden muss.
Die meisten "Geistesforscher" sind daher in einem konstanten Gewissenskonflikt (sog. kognitive Dissonanz). Das ist auch gut so. Das wird hoffentlich dazu führen, dass eines fernen Tages die Moral wiederum der ganzen Schöpfung gegenüber ins Lot kommt. Dann wird die Moral obsolet sein.
Im Moment ist die Menschheit in einer kritischen Phase. Das "gierig Materielle" , das "Tote", bekommt jede Menge Energie. Es ist unsere Aufgabe, die Aufgabe unserer Zeit, das Steuer herumzureissen und dazu beizutragen, dass der Planet Erde noch für eine beträchtliche Zeit bewohnbar bleibt. Die Menschheit ist noch nicht bereit, ohne Erde weiterleben zu können.
Es geht also nicht nur darum Konzepte zu erkennen, sondern auch darum, diese zu wandeln, zu verbessern. Und das in dehmütiger Einsicht, dass der Weg lang ist. Es gibt keine einfachen Lösungen. Es ist ein konstantes, "ewiges" Ringen um Harmonie und Vollkommenheit.
(05.10.2017)

Dienstag, 3. Oktober 2017

Orgelkonzert in Leukerbad

Gestern Abend waren wir an einem Orgelkonzert hier in Leukerbad. Die "bequemen" Kirchenbänke lassen einem nach vorne blicken, während von hinten die Orgel dröhnt. Das eine Stunde lang!

Also hatte ich genügend Zeit, mir die Wesen in der Kirche anzusehen.

Das eine war das GoldAltarDing. Imposante Tiere, insbesondere ein grosser Wolf erschien. Aber auch anderes.

Der andere Schauplatz waren die "leeren" Bänke rechts vor mir. Da kamen aus der Kirchenmauer etliche Zwerge zum Konzert! Die setzten sich dann Richtung Orgel auf die leeren Bänke und freuten sich an der Musik. Also konnte ich schön ihre Gesichter studieren. Alles in allem eher wilde Gesellen! Einer machte sich einen Spass daraus und setzte sich mehr oder weniger auf meine Brust und ich konnte kaum noch atmen. Es war eine fröhliche Bande. Nach dem Applaus am Konzertende sah ich sie nicht mehr. Ausser einem, der erschien mir noch mehrmals in der Nacht. Er stand einfach da im Licht und erfreute sich seiner Kraft.
(03.10.2017)

Wer ist da?

"Wer ist da? Wer ist eigentlich anwesend?" Diese Frage stelle ich mir ab und zu wenn ich unter Menschen bin. Manchmal finde ich jemanden, oft aber auch niemanden. Natürlich kann ich das nicht mit hundertprozentiger Sicherheit beurteilen. Es ist mehr so ein Spiel und am Schluss befasse ich mich auch mit mir selbst und sorge dafür, anwesend zu sein!

Ein paar Beispiele der letzten Tage:
Ein Ausflugsrestaurant liegt an einem See mit schönster Aussicht und die Sonne scheint wunderbar. Die Sitzplätze mit bester Aussicht sind heiss begehrt. Manchmal warten die Gäste gar mit absitzen, bis so ein Superplatz frei wird.

Ich schaue in die Runde und höre den Gesprächsfetzen, die ich auffangen kann, zu. Oft ergibt sich dann folgendes Bild: Keiner schaut auch nur in die Richtung der schönen Landschaft! Die Leute betrachten die anderen Leute, sind mit ihrem Mobile, dem Hund, dem Essen und trinken und was auch immer beschäftigt. Und die Gespräche befassen sich mit irgend was. Am Ende stehen sie auf und gehen, ohne etwas gesehen zu haben. Zumindest scheint das so zu sein.

Anderes Beispiel:
In einem Berg-Panorama- Restaurant spielt Musik. Draussen ist es kalt und unfreundlich, aber trotzdem haben viele Gäste das Gefühl, sie müssten kurz auf die Terrasse gehen, um nichts verpasst zu haben. Die Terrassentüre geht automatisch zu. Eine kräftige Feder sorgt dafür, dass die Türe schnell schliesst. Allerdings gibt das einen ziemlichen Knall und die ganze Fensterfront zittert wie bei einem Erdbeben.

Ich schaue und höre dem munteren Geknalle zu und denke, wenn einer reinkommt und zumindest versucht die Türe anständig zu schliessen, dann stehe ich auf und gehe ihm gratulieren!

Da kommt ein zirka fünfzig jähriger, grosser Mann mit einer Zigarettenschachtel in der Hand und geht in Richtung Terrassentüre. Ich sitze neben der Türe und deshalb kommt er von vorne direkt auf mich zu. Ich habe total das Gefühl, dass der "anwesend" ist! Und siehe da, er geht raus und schliesst die Türe bewusst geräuschlos.

Ich erzähle die Geschichte meiner Frau, wir bezahlen und verlassen das Restaurant. Ich gehe noch schnell auf die Toilette. Ich versuche die Eingangstüre zu öffnen, aber da versucht schon einer von der anderen Seite her rauszukommen. Ich lasse den Türgriff los und vor mir steht der vorhin erwähnte Herr. Soll ich ihm jetzt gratulieren wegen der Terrassentüre von vorhin? Leicht verwirrt trete ich beiseite, damit er rauskommen kann. Er macht einen Schritt zurück und besteht darauf, dass ich sein Angebot der aufgehaltenen Türe akzeptiere. Was ich dann auch gerne tue.

Mit Menschen, die ich als "anwesend" empfinde, bleibe ich verbunden.

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Etwas ähnliches passiert mir oft auch im "Garten". Ich begegne Menschen, welche sich dort aufhalten, ohne anwesend, ansprechbar zu sein. Aber das liegt vielleicht auch an mir. Vielleicht bin ich nicht so ganz dort, wenn ich dort bin. 🤔
(03.10.2017)

Sonntag, 1. Oktober 2017

Novalis: Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren

"Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren
Sind Schlüssel aller Kreaturen,
Wenn die, so singen oder küssen,
Mehr als die Tiefgelehrten wissen,
Wenn sich die Welt in's freie Leben,
Und in die Welt wird zurück begeben,
Wenn dann sich wieder Licht und Schatten
Zu echter Klarheit werden gatten,
Und man in Märchen und Gedichten
Erkennt die ewgen Weltgeschichten,
Dann fliegt vor Einem geheimen Wort
Das ganze verkehrte Wesen sofort."
Novalis (1772 - 1801)
(01.10.2017)

Sonntag, 24. September 2017

Eduard Mörike: Septembermorgen

Septembermorgen

Im Nebel ruhet noch die Welt,
noch träumen Wald und Wiesen;
bald siehst du, wenn der Schleier fällt,
den blauen Himmel unverstellt,
herbstkräftig die gedämpfte Welt
in warmem Golde fließen.

Eduard Mörike (1804 - 1875)
(24.09.2017)

Mittwoch, 13. September 2017

Die "Orangensaftvision"

Seit ein paar Tagen kaue ich an den Nachwirkungen einer Vision. Ein Stück weit hält sie auch an.

Alles sieht so künstlich und provisorisch aus. Die Häuser sind Spielzeughäuser und die Berge sind aus Plastillin. Alles kann jederzeit völlig neu arrangiert werden. Die Welt ist eine Spielzeugwelt. Kleine Figürchen mit traurigen und fröhlichen Gesichtern rennen herum. Alles ist so was von egal. Die Dinge sind leicht und durchscheinend. Die Wirklichkeit erscheint mir unwirklich. Das Interessante, Bewegende, schimmert durch die Fassaden. Man könnte die Mauern eigentlich auch weglassen. Es würde sich im Wesentlichen nichts ändern.

Alle sind am kiffen! Ich kenn mich damit zwar nicht aus, aber irgendwie scheint es so.

Am Montag war ich bei der Arbeit in Basel und über Mittag machte ich einen langen Spaziergang durch die Stadt. Ich konnte kaum gehen. Dauernd dachte ich, ich muss mich irgendwo hinsetzen! Ich ass ein Sandwich zur Beruhigung und schaute unentwegt auf meine Füsse, damit ich nicht hinfliege. Zudem hoffte ich, dass ich niemandem begegne, den ich kenne. Ich ging dann wie so oft ins Münster und setzte mich dort, oben im Chor, auf meinen Stuhl. Da mache ich immer Augenübungen mit einem riesigen farbigen Fenster. Diesmal ging es nur um eines: was mag das bedeuten? Stimmt das irgendwie? Und was ist denn eigentlich das Problem mit den "Konzepten und Glaubensvorstellungen"? Und überhaupt, was ist was?

Was war passiert? Ich hatte am Sonntag die geistige Welt und die Welt der Konzepte ineinander verschränkt, gesehen!?! Oder zumindest einen Teil davon. ("Jetzt ist der Alte ganz übergeschnappt!")

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Ich lag am Sonntag da, entspannte mich und genoss das Prickeln der Energie in mir und um mich. Da kam mir plötzlich die Idee, die ganze Sache von "aussen" zu betrachten. In einem Ruck riss ich mich los und schaute von rechts oben auf ein Szenario, das sich mir nach und nach immer klarer zeigte.
Ich sah etwas grosses Gelbes. Riesig und von nicht ganz klarer, aber doch mehr und mehr kompakter Form. Es leuchtete zwar gelb, ist aber doch eher eine Art von sich bewegender Flüssigkeit.
Rundherum ist es schwarz bzw. sehr dunkel. Später sah ich dann, dass es eine Art leuchtendes Dunkelviolett ist.

Dann sah ich, dass von dem riesigen Orangensaftfass Leitungen weg führten. Gelbe, mehr oder weniger dicke Linien. Diese Linien sind nicht unbedingt gerade, sondern oft gebogen. Dann schaute ich mir die Leitungen von Nahe an und ich sah, dass der Orangensaft in Rohren pulsierte. "Pulsieren" ist etwas eigenartig für eine Flüssigkeit. Das würde eher zu einem elektrischen Strom passen. Wie auch immer...

Dann schaute ich an den Rohren weiter, immer weiter weg vom zentralen Behälter. Ich schaute mir den Rand der Rohre an, welcher sich mehr oder weniger schwarz vom Gelb der Flüssigkeit und Dunkelviolett des Hintergrundes abhob. Da sah ich bekannte Gebilde am Saft, am Rohrrand, kleben: Bäume, Häuser, Menschen, ganze Szenerien. Das sah alles, im Vergleich zur Orangensaftbahn, recht unwirklich, vorläufig, unbedeutend aus. Aber das ist unsere Welt!

Die Saftleitungen verzweigen sich nicht. Es gibt hin zu jedem Ding (Objekt, Pflanze, Tier, Mensch, usw.) eine eigene Leitung. Jedes Blatt des Baumes hat seine direkte Leitung von der Zentrale her!
Im Alltag habe ich dann gemerkt, dass ich von "jedem" Ding aus den Weg zum Saftfass und von dort auch zu mir finden kann. Das geht sehr schnell! Umgekehrt kann ich auch vom Fass her versuchen, die richtige Leitung zum Ding hin zu finden, indem ich den Namen nenne oder eine Erinnerung wach rufe. Allerdings lande ich schlussendlich oft irgendwo...

Ich habe das Gefühl, mit allem verbunden zu sein, aber ich hänge auch nur an einer Leitung. Ausser ich tauche wieder ganz ein, und dann sieht alles noch viel unbeschreiblicher aus.

Aus praktischen Gründen frage ich mich auch, wo eigentlich das Saftfass anzusiedeln ist? Wahrscheinlich ist das nicht so wichtig, aber ich nehme an, dass das Erdinnere ein guter Ort dafür ist. Ich erinnere mich, dass Anouk Claes einst sagte, man könne via Boden sich mit Menschen verbinden.
Das mit dem Boden geht auch gut wegen der Schlange, die mich oft begleitet. Die rennt unter mir und im Umkreis von mir durch das Erdinnere. Manchmal wird dadurch (?) der Boden gar zähflüssig bis flüssig bis dampfend. Spätestens dann kann ich nicht mehr richtig gehen. Ich kann das etwas hinauszögern, indem ich mich auf die Ferne konzentriere, aber früher oder später ist Schluss und ich brauche eine Pause.

Dieses Verbundensein via Orangensaft ist nur ein Aspekt. Das steht nicht im Widerspruch zur Kommunikation mit Worten, von Herz zu Herz oder von Baum zu Baum, usw.

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In der Taufnische des Münsters lag eine grosse Bibel. Ich habe einen Teil der aufgeschlagenen Seite fotografiert:
"aus trockenem, dürrem Land, wo kein Wasser ist"
Ich wünsche uns allen, dass wir genug Wasser finden!
(13.09.2017)

Freitag, 8. September 2017

Die Sonnenblume sagte

Die Sonnenblume sagte:

"Meine Füsse sind in der Erde und mein Kopf ist im Himmel.

Am oberen Ende des langen und dünnen Stengels ist meine schwere Blüte.

Ich sehe der Sonne nach und die Sonne schaut mich an.

Die Sonne hat zwei Teile: aussen ist der Strahlenkranz und innen ist die glühende Materie, die Sonnenscheibe.

Meine Blüte hat zwei Teile: aussen ist der Strahlenkranz und innen ist die glühende Materie, der Blütenteller.

Jedes Kind kennt meinen Namen. Alle freuen sich an mir.

Ich bin für die Insekten da. Ich gebe ihnen Blütenstaub und Nektar.

Die Insekten bestäuben meine Blüten. Ohne sie könnte ich nicht überleben.

Vögel und andere Tiere fressen meine Samen und helfen mir neue Standorte zu entdecken.

Die Menschen pflanzen mich an. Sie streuen meine Kernen über das Essen oder machen Öl aus ihnen. Manchmal werde ich auch "nur" wegen meiner Schönheit gepflanzt.

Ich gebe und ich nehme. Ich bin voller Schönheit, Wärme und Liebe.

Wenn du mich rein lässt, dann bin ich in deinem Herzen und schaue von nun an mit dir zusammen nach draussen. Drei Augen sehen mehr als zwei!"
(08.09.2017)