Freitag, 30. Juni 2017

Über das Schauen und die Aufmerksamkeit

Ich esse sehr gerne. Sich etwas Gutes einzuverleiben ist eine so schöne und befriedigende Beschäftigung! Ich bin nachher voll und glücklich und total zufrieden. Schliesslich muss man ja etwas essen. Sonst geht man kläglich zu Grunde. - Ja, ich weiss, es gibt Menschen die am verhungern sind. Im Moment wieder einmal die Leute im Südsudan. Und anderswo. Darüber will ich jetzt nicht schreiben.

Ich kann ja nicht nur essen! Zwischendurch mache ich auch anderes. Z.B. "schauen". Aber auch das ist wie essen.

Das geht so. Ich setze mich hin und schaue mich um. Am liebsten draussen in der Natur. Aber eigentlich geht das überall, selbst wenn ich nicht sitze. Ausser beim Autofahren, da muss ich aufpassen. Sonst wird's zur letzten Fahrt...

Ich sitze also da und schaue mir die Welt an. Das sieht ähnlich aus wie auf einem Photo oder in einem Film. Ziemlich flach. Ich bin stark kurzsichtig, aber trotzdem sehe ich was und das eigentlich dreidimensional. Dass die Welt dreidimensional ist, ist für mich eher eine akademische Spitzfindigkeit. Man sieht dreidimensional, weil man zwei Augen hat, welche nebeneinander in etwa dasselbe sehen.

Ich bin da und schaue und konzentriere mich darauf, dass die Objekte dreidimensional sind. Wenn ich mir z.B. einen Baum ansehe, dann gehe ich geistig um den Baum herum. Ebenso bei der Strassenlampe. Ja selbst die durchsichtige Luft zwischen den Dingen ist dreidimensional.

Das löst bei mir sofort ein eigenartiges Gefühl aus. Ich fühle etwas in meinem Körper, in der Mitte meiner Brust. Ich sage mal im "Herz". Das dreidimensionale Objekt ist jetzt teilweise in meinem Herz! Und das ohne dass ich an "Liebe" oder sonst was gedacht hätte. Nein, ich habe bloss etwas angesehen und habe es räumlich gefühlt.

Ich umarme, umschliesse das Ding. Ich meine, das ist meine Aufmerksamkeit - in meiner Terminologie die Kundalini - welche das Objekt in meinem Herz herumdreht und beleuchtet.

Das kann ich stundenlang machen. Jedenfalls viel länger als essen!

Und was passiert dann?

Ich sitze also da und nehme wahr. Wenn nun diese "reine", "offene" Wahrnehmung etwas anhält, dann bildet sich eine "Verbindung", ein "Erkenntnisstrom ohne Worte und Bilder". Ein Teil vom angeschauten Ding ist dann in mir und bleibt in meinem "inneren Garten". Es ist gegessen und ich werde nicht dick davon 😀. Nur reich!

Von diesem Punkt an kenne ich zwei Wege. Den einen will ich nur kurz erwähnen. Es kann passieren, dass diese Wahrnehmung "ausser Kontrolle" gerät und alles beschreibbare übersteigt. Das sind für mich sehr seltene Geschenke.

Der andere Weg besteht darin, nachdem ich mich verbunden habe, wieder mein Hirn anzustellen und zu versuchen mit dem Ding zu kommunizieren. Da arbeite ich dran...

Jedenfalls ist das "schauen", das "reine wahrnehmen", eine wunderbare, total süchtig machende Erfahrung!

(30.06.2017)

Montag, 13. März 2017

Kinderspielplatz

Kinder werden von ihrer Mutter zum Kinderspielplatz gebracht. Der Spielplatz ist eingehagt und ist eine kleine Welt für sich. Die Mutter öffnet das Tor und schon stürmen die Kleinen los. Sie ruft noch hinterher: "Wir bleiben nicht allzu lange!". Aber das hören die Kinder, die nach und nach zum Spielplatz gebracht werden, kaum.

Es wird gehüpft und gesprungen, geschrien und gelacht. Ab und zu fällt eines um und dann gibt es Tränen.

Es werden Regeln aufgestellt für gemeinsame Spiele. Diese werden dann eingehalten oder auch gebrochen und oft werden sie neu definiert. Man spielt Versteckspiele und "Fange-mich".

Andere bauen Sandburgen und verteidigen diese vehement.
Alle möchten auch mal auf die Schaukel, aber gewisse Kinder bleiben am Sitz kleben und schaukeln weiter, obwohl es ihnen schon längst keinen Spass mehr macht.

So geht das bunte Treiben weiter und ab und zu wird ein Kind nach Hause gerufen. Die einen bleiben kaum eine Stunde, andere bleiben länger auf dem Spielplatz. Einige gehen fröhlich tanzend nach Hause, viele ungern.
Vielleicht gibt es dann einen kleinen Abschied oder das heimgeholte Kind ist einfach plötzlich nicht mehr auf dem Spielplatz.
So ist das Leben.

(13.03.2017)

Dienstag, 28. Februar 2017

Am Waldrand

Am Morgen war es kalt und es hatte geschneit. Ich ging durch den Wald auf eine Wiese zu. Man musste sich schützen. Es war trotzdem schön.

Am Abend, am anderen Ende der Waldlichtung angekommen, sah ich eine Kinderschaukel an einem Ast hängen.

Die Sonne schien und tauchte alles in ein goldenes, warmes Licht.

Ein Windstoss liess die Schaukel zwischen Wald und Wiese pendeln.

Beschwingt und frei ging ich weiter, in den Wald hinein.

(02.2017)

Donnerstag, 9. Februar 2017

Löwe Ludger spricht mit Waldkönigin Silvia im Bach

Löwe Ludger, der König der Trockenheit, spricht mit der Waldkönigin Silvia. Beide sind im Wasser und lassen es sich gut gehen. Es ist Ende Winter, kurz bevor die grossen Naturwesen kaum mehr so verträumt zu sehen sein werden. Die meisten kleinen Pflanzenseelen schlafen noch.

Freitag, 4. November 2016

Ich "kenne" alle Menschen

Ich beschreibe hier ein Erlebnis, das ich vor mehreren Jahren in Basel hatte. Ich kann mich noch sehr genau daran erinnern, sehe noch diese Bilder, als ob es gestern gewesen wäre.

Es war ein kühler, aber sehr sonniger Mittag. Ich kam von einer Besprechung und musste das Bürogebäude wechseln und spazierte dabei am SBB Bahnhof entlang Richtung Centralbahnplatz. Zahlreiche Leute kreuzten meinen Weg. Plötzlich hatte ich das Gefühl, ich würde die Person kennen, die mir jetzt gerade entgegenkommt. Aber nein, den Namen wusste ich nicht. Trotzdem wollte ich schon Grüssen.... Genau so ging es mir mit allen Leuten! Alle waren mir vertraut. Ihr Wesen war wie ein offenes Buch. Nur konnte ich keine klaren einzelnen Details über die Menschen sagen, aber irgendwie kannte ich alle. Ein unbeschreiblich schönes, warmes  und beglückendes Gefühl durchströmte mich!

Das Gefühl, alle Menschen zu kennen, diese Verbundenheit, ist seither geblieben. Nur habe ich mich daran gewöhnt und mich damit abgefunden, dass ich nicht immer stehenbleiben und mit allen, denen ich begegne, ein Gespräch anfangen kann. Manchmal allerdings passiert es, dass ich lautlos mit Fremden spreche, ohne dass sie es richtig merken. Meist bemerken sie es dann doch irgendwie und fühlen sich leicht irritiert.

Umgekehrt werde ich jedoch sehr oft von Fremden angesprochen und bekomme dann innert kürzester Zeit sehr viel und sehr Persönliches zu hören.

Man kann auch in einer "Gesprächssituation", etwa im Zug oder in einem Restaurant, ein Gespräch zunächst wortlos anfangen, indem ich mich im Herzen auf die uns alle verbindende Liebe konzentriere. Dann schicke ich noch geistig ein Kompliment hinterher und schon beginnt ein Gespräch. Ich meine jetzt eines, das man normal mit den Ohren hört. :-)

Ganz selten, und das ist mir dann schon eher peinlich, scheinen andere meine Gedanken in etwa lesen zu können und antworten bewusst verbal oder gedanklich. Bei solchen Begegnungen geht es dann meist sehr schnell zur "Sache", ich meine zu etwas Wesentlichem.

(04.11.2016)

Freitag, 14. Oktober 2016

Abtei Saint-Maurice

Der Hauptteil des Kircheninnern wirkte eher dunkel, kalt und abweisend auf mich. Ein paar wenige Touristen verirrten sich hierhin und die meisten verliessen das Gebäude sehr schnell wieder. Andere torkelten mit dem Audioguide am Ohr durch die Kirche.

Da ich und meine Frau schon mehrmals hier waren, blieben wir zunächst auch nicht lange, obwohl ich mir fest vorgenommen hatte, diesen Ort etwas intensiver als auch schon zu erforschen.

Wir gingen durch den Haupteingang raus und weiter vorne durch die Pforte der Barmherzigkeit gleich wieder rein. Eine kleine Seitenkapelle lud zum Verweilen ein.

Ein feiner Luftzug nahm mich spiralig mit nach oben. Weit, luftig und erhaben war die Stimmung. Wunderschöne innere Musik erklang!

(14.10.2016)




Donnerstag, 13. Oktober 2016

Kirche St. Theodul in Leysin

Die Kirche wird brutal von einer Strasse umsäumt. Der Zutritt ist lebensgefährlich!

Die Kirche ist offen und trotz Strassenlärm recht ruhig. Die gewölbte Holzdecke im Kirchenschiff vermittelt eine kellerartige Atmosphäre. Durch die modernen, abstrakten Kirchenfenster kommt schönes Licht ins Innere. Ein paar Lampen versuchen den trotz allem recht dunklen Raum etwas zu erhellen. Es herrscht reformierte Nüchternheit.

Das geistige Leben des Ortes wird wie von einem schweren Deckel an der Entfaltung gehindert.

Auf dem Altar sitzt zwischen Blumenstrauss und aufgeschlagener Bibel ein violett-blaues Erdwesen. Es lässt seine Beine baumeln und schaut uns an. Das Wesen ist etwa einen Meter gross.

Rechts hinten, es hat dort hinter der Kanzel eine Richtung Kirchgänger gewendete Bank, tummeln sich mehrere "Nachthemd-Gespenster". Es sind Seelenteile von Verstorbenen.

Rechts beim Eingang hat es eine gemütlich eingerichtete "Diskussionsecke". Die Kirche macht einen freundlichen, etwas traurigen Eindruck.

Ich konnte mit keinem der Geistwesen sprechen. Habe das allerdings auch nicht allzu sehr versucht.

(13.10.2016)

Geschichte

1445 bewilligte der Bischof von Sitten den Bau einer dem hl. Theodul und der Maria Magdalena geweihten Kapelle. 1528 erfolgte die Einführung der Reformation in Leysin, 1702 wurde es eine eigene Kirchgemeinde. (Quelle: Historisches Lexikon der Schweiz)